Sonntag, 11. Februar 2018

Aufmerksamkeit - ein Geben und Nehmen


Wir tun es von der ersten Sekunde an, wenn wir das Licht dieser Welt erblicken. Der eine lauter und der andere leiser: Wir schreien und machen auf uns aufmerksam...

Und so geht es im ganzen Leben und egal in welchem Alter. Wir brauchen Aufmerksamkeit und die holen wir uns auf unterschiedliche Art und Weise. Das eine Kind ist brav, das andere vielleicht ein Rabauke, und jedes erhält für sein Verhalten Aufmerksamkeit von den Eltern. Ob es sich dabei um positive oder negative Aufmerksamkeit handelt, ist zunächst einmal völlig unerheblich. Hauptsache, wir werden beachtet. In der Jugend ist es ähnlich, ob Streber oder Klassenclown, jeder bekommt seinen Anteil am allgemeinen Interesse. 

Natürlich wollen und brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung. Das macht auch vor dem Erwachsensein keinen Halt und auch vor dem Alter nicht! Es gibt leider auch übertriebene und krankhafte Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit, wie z. B. Narzissmus oder das Münchhausen-Syndrom. Aber das meine ich hier nicht, sondern den Wunsch, beachtet und wahrgenommen zu werden. Ich kenne niemanden in meiner Umgebung, der dieses Bedürfnis nicht hat. Natürlich nehme ich mich da nicht aus. Mir ist es dabei allerdings auch sehr wichtig, nicht nur Aufmerksamkeit zu erhalten und anzunehmen, sondern auch zu schenken. Und zwar durch Interesse, aktives Zuhören und Nachfragen.

Aufmerksamkeit bekommen und auch geben kann man nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in den sozialen Medien wie z. B. Instagram. Dort führe ich ein (aus verschiedenen Gründen) privates Profil und stelle fast täglich ein Foto eines Outfits von mir ein. Dafür bekomme ich in der Regel auch einige Likes und nette Kommentare. Damit könnte ich es auch gut sein lassen und mich nicht weiter darum kümmern, aber mir persönlich gefällt das nicht. Wie ein reales Gespräch lebt auch diese Plattform vom Mitmachen. Und so sollte das Ganze aus Nehmen und Geben bestehen, auch wenn man die Nutzer nicht persönlich kennt. Ein freundliches Wort, wenn man von einem Outfit einer Bloggerin begeistert ist oder wenn einem ein Foto gut gefällt oder vielleicht auch mal nur einen schönen Morgengruß senden, freut die andere Seite genauso wie mich auch. Letztendlich möchte auch diese Person die Aufmerksamkeit erlangen. Warum auch nicht? Wer sich diesem Aufmerksamkeitsgesuche entziehen möchte, kann kurzerhand entfolgen oder meldet sich ganz einfach gar nicht erst an. Das ist in den sozialen Medien relativ einfach und es wird ja auch niemand gezwungen, daran teilzunehmen.

Im privaten Bereich gestaltet sich das Ganze dann schon schwieriger. Denn da gibt es  Aufmerksamkeitssuchende, denen man sich nicht so leicht entziehen kann. Wer kennt nicht die Unterhaltungen mit Personen, die sich ganz schnell als Monolog entpuppen und bei denen man sich nach ein paar Minuten wünscht, man hätte niemals mit dem Gespräch begonnen. Die Unterhaltung entwickelt sich in Kürze als ein nicht endendes Loblied auf die eigene Person, die eigenen Kinder, das Haus und den Job und auf das, was man alles so erreicht hat. Vielleicht noch untermalt mit zahlreichen Handyfotos. Gääääähn! Der Sprecher redet und redet und man hat das Gefühl, er sei geradewegs aus dem Exil heimgekehrt und jahrelang niemandem begegnet, mit dem er reden konnte. Im Grunde ein einziger Ruf nach Aufmerksamkeit: Bitte beachte mich doch und lobe mich für meine tolle Leistung! Genommen wird reichlich aber gegeben wird nichts.

Und nicht nur das. Aufmerksam zuhören können einige auch nicht. Die lassen das Gegenüber ein paar Worte erzählen, um dann sofort das Gespräch zu übernehmen und von sich zu sprechen. Wenn die eine Seite versucht, das Gespräch wieder an sich zu nehmen und das Thema wechselt, passiert das Gleiche noch einmal. Jeder redet nur von sich. Kein Nachfragen und kein echtes Interesse. Solche Unterhaltungen führe ich durchaus auch mal, aber die beschränken sich auf wenige Minuten und laufen quasi im Vorbeigehen ab, Small Talk eben. Aber eine vernünftige Unterhaltung sieht für mich anders aus. Das ist ein Geben und Nehmen, wechselseitig! Woran liegt es, das Leute zwar Aufmerksamkeit fordern, aber nicht schenken? Ist das so eine Art "Ich-Zuerst-Politik" im kleinen Kreis? Und das Nicht-Zuhören-Können ist kein Alte-Leute-Syndrom, das haben auch schon einige jüngere Mitmenschen. Was macht man mit solchen Leuten? Macht man die auf ihr Verhalten aufmerksam oder meidet man ganz einfach zukünftige Gespräche? Ändern wird man wahrscheinlich niemanden und so kann letztendlich jeder nur bei sich selbst ansetzen und sein eigenes Verhalten beleuchten.

Jetzt würde mich mal sehr interessieren, wie ihr mit solchen Personen umgeht, die viel Aufmerksamkeit fordern, aber keine geben. Entzieht ihr euch dem Gespräch oder sagt ihr demjenigen, dass er/sie nur von sich redet? Ich bin sehr gespannt, wie ihr vorgeht.

Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch!

Eure Frau E.

Bloggen... auch eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam
zu machen

Und so sieht es aus,
wenn man dem Blog-Post
mehr Aufmerksamkeit
schenkt als dem Mittagessen!

Kommentare:

  1. Wie war das noch: "Reden wir nicht immer über mich. Reden wir über dich. Wie findest du mich?" *grins*

    Mit Menschen, die nicht zuhören können - und die gibt es wirklich in allen Altersstufen - mag ich nicht reden. Manchmal muss ich das trotzdem tun, dann ertrage ich sie einfach. Aber wenn es nicht sein muss, bin ich ganz schnell weg. Ich habe weder Lust noch Energie, die Mutter Theresa der Aufmerksamkeit-Suchenden zu geben ;-)
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Ich denke mal, die Lust hat eigentlich niemand dazu. Wenn man die Leute schon kennt und weiß, dass sie einen nur vollquatschen, dann kann man ja schon im Vorfeld dafür sorgen, dass man gar nicht als potentielles Gesprächsopfer ausgewählt wird, aber bei Fremden finde ich das schon so gut wie unmöglich. Dann bleibt es wohl dabei wie du schon schreibst, einfach ertragen.

      Lieben Gruß und einen schönen Abend.

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  2. Oooh - der gute Topf, das leckere Essen! Ach herjeh, so schnell geht's... Ich hoffe, eurer Mittagessen war aber trotzdem gut ☺.

    Hinsichtlich der "Redenhalter" kommt es bei mir immer darauf an. Ich habe zum Beispiel einen Kollegen, der so fantastisch erzählen kann, dass ich dem gerne einige Zeit zuhören mag. Genauso habe ich auch Verständnis, wenn jemandem einfach etwas auf dem Herzen liegt und es ihm gut tut, sich das von der Seele zu rede. Von mir aus auch mal jemand, den ich gar nicht so gut kenne. Ansonsten finde ich aber diese Menschen ziemlich nervig, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie sich wirklich nur für sich und ihren kleinen Kosmos interessieren. Da denke ich mir, schade um meine Zeit und meide diese Zeitgenossen. Am Ende störe ich sie durch meine Anwesenheit noch bei ihren Monologen *ironisch*...

    Dir noch einen angenehmen Abend und guten Start in die nächste Woche!
    LG, Hasi


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    1. Natürlich sind die Leute, die sich den Frust von der Seele reden wollen und dadurch einen deutlich höheren Redeanteil haben, davon ausgenommen. Das geht ja jedem so. Wenn einen etwas bedrückt, ist man froh über das offene Ohr des Anderen. Aber auch hier ist es wieder ein Geben und Nehmen. Denn geht es dem Gegenüber irgendwann mal schlecht, ist man genauso für ihn da und kann sich für die erhaltene Aufmerksamkeit revanchieren.

      Ich wünsche dir auch einen angenehmen Start in die Woche und eine gute Nacht!

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  3. Ein wirklich wichtiges Thema hast du da aufgegriffen und es regt zum Nachdenken an. Solche Aufmerksamkeitsheischer kenne ich zur genüge und manchmal habe ich den Eindruck, als werden es immer mehr, als würden sich viele Menschen immer mehr nur auf sich selbst besinnen, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Das erlebe ich in allen Altersstufen.
    Ich lasse diese Menschen einfach reden, ein Umlenken des Gesprächs funktioniert ja leider meist nicht. Direkt auf ihr Verhalten ansprechen will ich sie selten, denn diese Menschen sehen ihr ichbezogenes Vorgehen selten ein und sind eher beleidigt, weil ich sie ja quasi zurechtweise und kritisiere.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Alles Liebe Gesa

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    1. Da gebe ich dir recht, liebe Gesa. Ich habe auch das Gefühl, dass das zunimmt. Früher war so etwas ein Alte-Leute-Syndrom, aber heute sind leider auch schon einige deutlich jüngere Menschen so in ihrem Verhalten. Bevor ich diesen Post geschrieben habe, habe ich lange über das Thema nachgedacht. Vielleicht ist es auch ein gesellschaftlicher Druck, dass die Leute meinen, sie müssten besonders in Erscheinung treten. Oder vielleicht liegt es an der Erziehung?
      Wichtig ist ja letztendlich, dass man selbst so nicht ist. Ich werde mir aber zukünftig eine andere Strategie zulegen, falls ich auf solche Person treffe. Denn wie Fran schon ganz richtig kommentiert hat, habe ich auch keine Lust, die Mutter Teresa der Aufmerksamkeitssuchenden zu sein.

      Dir einen lieben Dank für deinen Kommentar.

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  4. Liebe Sabine,
    ich oute mich mal als Verfolgerin der ersten Minute.
    Damals war ich auf der Suche nach Blogs für/von große(n)Frauen (bin knapp 1,80m groß)und wohl aufgrund der "Ü 40" im Suchfeld, landete ich bei Dir. Gerade ganz frisch den ersten Beitrag veröffentlicht. Ich blieb bei Dir hängen, weil ich die Fotos und Deine Art zu schreiben sympathisch fand, aber auch, weil ich selber zu der Zeit überlegte, einen Blog zu starten und so die Gelegenheit hatte, mal von Anfang an "dabei zu sein" und für mich Tipps abzugreifen.
    Ein anderer Grund war schlichtweg, dass ich auf Deinen Fotos immer öfter im Hintergrund Gebäude etc. sah, die ich kenne. Ich habe in dem Ort nämlich jahrelang gearbeitet und war immer ganz gespannt, ob ich auf den nächsten Fotos von Dir wieder etwas erkennen würde.
    Als aufmerksamer Leser konnte man dann auch indirekt miterleben, dass sich bei Dir - vor allem im letzten Jahr - doch so einiges in Deinem Leben geändert hat.
    Du hast eine sehr offene Art und das finde ich mutig. Ich bin da eher feige, habe mich bei meinem Probe-Blog sehr schwer getan, Fotos von mir zu veröffentlichen oder Privates mitzuteilen.
    Als ich Dich im Herbst letzten Jahres plötzlich nicht mehr finden konnte, war ich sehr verwundert und hatte mich irgendwann damit "abgefunden".
    Aber immer wieder habe ich Deinen Blog-Namen durch die Suchmaschine gejagt. Und - große Freude! - wieder gefunden.

    Ich finde es toll, dass Du Dich nicht hast unterkriegen lassen.
    Das wollte ich Dir eigentlich nur schreiben; ist aber etwas länger geworden.

    Liebe Grüße aus der Borussen-Stadt
    Martina

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    1. Es freut mich natürlich außerordentlich, dass du auch hier auf dem neuen Blog wieder mit dabei bist. Dafür schon einmal meinen ganz herzlichen Dank!

      Und ja, der aufmerksame Leser hat wahrscheinlich schon mitbekommen, dass es einige Veränderungen gegeben hat, die ich jedoch eigentlich nicht direkt angesprochen habe. Aber mitunter kann man ja auch 1 und 1 zusammenzählen und sich seinen Teil dazu denken.

      Schwer getan habe ich mich anfänglich auch mit dem Veröffentlichen von Fotos, aber letztendlich dann nicht mehr. Ich hätte nur vorsichtiger sein sollen und meine Bilder besser schützen, dann wäre der Fotodiebstahl vielleicht gar nicht passiert. Von daher bin ich jetzt natürlich ein gebranntes Kind und meine Outfitbilder gibt es nur noch auf dem privaten Instagramprofil zu sehen. Natürlich kann auch da Schindluder mit getrieben werden, aber es ist auf jeden Fall privater, als die Bilder auf einem Blog zu veröffentlichen.

      Wenn du dich doch noch zum Bloggen durchringen solltest, dann schreib mir doch deinen Blognamen und ich komme gerne bei dir lesen.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend!

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