Montag, 2. April 2018

Mach dich mal locker


Kürzlich war es ja mal wieder soweit, der Kleiderschrank wurde einer gründlichen Inspektion unterzogen und so einige Teile landeten im Altkleidersack. Wenn das so weitergeht, dann ist bald nichts mehr übrig, denn diesmal war ich rigoros beim Aussortieren. Lediglich eine Bluse und eine Strickjacke wurden anschließend wieder aus dem Sack gefischt...


Den Rest jedoch raffte ich kurzerhand zusammen und verfrachtete diese Sammlung ins Auto, um sie dann umgehend dem Altkleiderkontainer zuzuführen. Ich fuhr allerdings nicht extra dort hin, sondern erledigte das ein paar Tage später auf dem Rückweg von der Arbeit. Während des Weges machte ich mir zum Inhalt des Sackes keinerlei Gedanken mehr und als ich ihn in die Klappe legte und ins Innere des Kontainers beförderte, war ich in Gedanken schon weiter. Aus den Augen, aus dem Sinn. So einfach ist das.

Jetzt kann man sich ja nicht nur materiell entrümpeln, sondern das Ganze ist durchaus auch auf anderen Gebieten möglich, geistig zum Beispiel. Geistiges Entrümpeln ist derzeit wohl wieder top aktuell. Literatur zu diesem Thema gibt es ja zu Hauf, Seminare kann man buchen und hier bei uns im Ort werden bei der Volkshochschule sogar längerfristige Kurse dazu angeboten. Ich muss zugeben, dass ich auch erst daran dachte, einen zu besuchen. Aber letztendlich habe ich mich dagegen entschieden. Und das aus gutem Grund.

Ich bin ein Kopfmensch, und zwar ein extremer. Dreht sich einmal das Gedankenkarussell, gibt es kaum eine Möglichkeit, auszusteigen. Das ist natürlich nicht immer so, sondern hängt vom jeweiligen Thema ab. Derzeit - vielleicht auch bedingt durch meinen Geburtstag vor zwei Wochen - mache ich mir sehr viele Gedanken über das (mein) Leben, die Vergangenheit und die Zukunft. Ich denke über meine Mitmenschen nach, deren Verhalten, mein Verhalten und über das Miteinander. Außerdem frage ich mich, was meine Ziele und Wünsche sind und wo ich in ein paar Jahren stehen möchte. 

Selbstfindungsbücher habe ich natürlich auch, sogar nicht zu knapp. Einige davon sind Empfehlungen, auf andere bin ich zufällig gestoßen. Gelesen habe ich die fast alle, mal mehr oder weniger intensiv. Im Grunde verbreiten sie immer die gleiche Botschaft: Entrümpel dich von alten Verhaltensmustern, denk nicht so viel über Dinge nach, die du nicht ändern kannst und mach dich mal locker. Wenn das allerdings so einfach wäre, wäre zu dem Thema Selbstfindung bzw. auch Gedanken und Sorgen machen nicht ein so großer wirtschaftlicher Zweig entstanden. Dann würden wir uns denken, dass wir uns nicht weiter mit bestimmen Themen befassen sollten und alles wäre gut. Die Gedanken wären dann abgestellt und wir würden unseren Alltagstätigkeiten nachgehen. Doch so einfach ist es leider nicht. Es gibt nun mal Themen im Leben, die erfordern eine gründliche Auseinandersetzung. Allerdings ist hierbei deutlich zwischen "Auseinandersetzung mit dem Thema" und  "sich gedanklich im Kreis drehen" zu unterscheiden.

Eine Möglichkeit, sich mit einem Thema zu beschäftigen, ist die Realitätsüberprüfung. Dazu schreibt man sich den Gedanken oder die Sorge auf einen Zettel. Und dann fängt man an und schreibt Punkt für Punkt dazu, ob dieser Gedanke denn bislang nur ein Gedanke ist und ob ich mir die Folgen in meiner Fantasie bis ins Detail ausmale, oder ob es sich schon um Realtität handelt. Ich kann hier mal anmerken, dass es bislang immer das gleiche Ergebnis gab: Es waren GEDANKEN, mehr nicht! Reine Gedankenkonstrukte, fein ausgesponnen bis in alle Einzelheiten. Und das habe ich ziemlich gut drauf, dafür sollte ich mir eigentlich mal auf die Schulter klopfen, denn Fantasie zu haben, ist ja durchaus eine positive Eigenschaft. Wenn es danach geht, sollte ich vielleicht meine Berufswahl überdenken und Drehbuchschreiber werden. *grins*

Jetzt mal ernsthaft, was ich damit sagen möchte ist, dass sich nach der Realitätsüberprüfung herausgestellt hat, dass ich mir eigentlich UMSONST Gedanken gemacht habe. Die ganze Grübelei hat nichts gebracht, außer viele vergeudete Stunden, in denen ich nicht offen war für schöne und wichtige Dinge. Und obwohl ich das weiß, dass mir die Nachdenkerei nichts gebracht hat, falle ich doch immer wieder in die alten Strukturen. Trotz der ganzen Tipps in den Büchern, wie man das verbessern kann.

Was hat das jetzt damit zu tun, dass ich mich entschieden habe, keinen Kurs zum Thema geistiges Entrümpeln zu buchen? Also, ich denke, dass es ganz wichtig ist, auch beim Thema Selbstfindung mal den Rotstift anzusetzen. Natürlich ist es vorteilhaft, eine Strategie zu entwickeln, mit quälenden Gedanken umzugehen, aber das Ganze kann auch Überhand nehmen. Und man kann sich selbst in solchen Situationen festhalten, indem man ein Buch nach dem anderen zu diesem Thema liest, sich zu Seminaren anmeldet oder irgendwelche Gruppen besucht. Deswegen werde ich das nicht machen. Im Gegenteil. Bis auf zwei Bücher werde ich die anderen entsorgen und mich nicht weiter damit befassen.

Habt ihr auch solche Bücher im Schrank, Seminare zu diesen Themen besucht und euch damit schon einmal auseinandergesetzt?

Über Reaktionen und Meinungen freue ich mich sehr.

Schöne Ostern
Eure Frau E.

Das darf bleiben

Das auch




Kommentare:

  1. Hm... ich gestehe ich habe keine solche Bücher im Schrank. Überhaupt so gut wie keine Ratgeber. Ich bin mehr die im Umfeld Rat Einholende, wenn wirklich mal was "brennt". Menschen die mein Umfeld und meine Situation kennen finde ich da besser als pauschalisierte Ratgeber. Die berücksichtigen nämlich selten ein "aber" .
    Am Schrankausmisten bin ich auch, so die kleinen Dinge umorganisieren und entrümpeln.
    Habe jetzt mehr Platz, der will klug genutzt werden. ;)
    Schönen Ostermontag, liebe Grüße Tina

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  2. Solche Ratgeber lese ich nicht (mehr). Ich finde es generell schwierig, sich Verhaltensweisen anzutrainieren, die nicht dem eigenen Naturell entsprechen. Warum immer dagegen ankämpfen? Vielleicht sich einfach mal so akzeptieren wie man ist. Ist nicht immer leicht.

    Ansonsten bin ich immer für entrümpeln.

    Liebe Grüße Sabine

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  3. Dobelli steht hier auch. Und anderes Zeug in der Art. Vor meiner beruflichen Veränderung in den Jahren von 1999 (Scheidung) bis 2005 (Start Selbständigkeit) habe ich einige solcher Bücher gelesen und aus jedem eine Kleinigkeit umgesetzt. Das hat mir hier und da durchaus geholfen.

    Am schwersten fällt es mir, mich von menschlichen Krafträubern zu trennen. Die zetern immer so, wenn sie aussortiert werden ... Das will gut abgewogen sein und es gibt Menschen, die lassen sich einfach nicht schleichend aus dem Leben entfernen. Die muss man dann entweder behalten oder einen harten Schnitt in Kauf nehmen.

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  4. Ich hatte und habe solche Ratgeber auch. Manche lege ich nach ein paar Seiten weg andere bringen mich weiter. Ich grüble zwar selten, aber wenn mich eine Situation stört oder gar krank macht, denke ich darüber nach. Da kann so ein Buch zum Thema schon hilfreich sein. Locker mach ich mich, wenn das Thema abgehakt ist.
    Liebe Grüße
    Sabine

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  5. Deine letzten Sätze kann ich nur unterstreichen. Dass man, wenn man sich nur noch mit solchen Themen beschäftigt, nicht mehr aus dem Gedankenkarussell raus kommt.
    Ich finde Ratgeber als Anregung nicht verkehrt. Die Dinge umsetzen, muss man aber natürlich selber.
    Liebe Sabine, stimmt, man vergisst dann oft die schönen Dinge des Lebens und die eigenen Stärken.Vielleicht hilft es dir eher,wenn du dich auf etwas positives konzentrierst, etwas was dir Spaß macht, deine vorhandenen Ressourcen ausbaust, neue Hobbies ausprobierst, vielleicht einen VHS Kurs belegst, Reisen...halt alles, was dir gut tut.
    Über Belastendes spreche ich mit vertrauten Personen. Das hilft.
    Hab aber auch einen Psychologen zu Hause. ;-)

    Liebe Grüße
    Claudia
    Cla62runner

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  6. Ich muss gestehen, ich habe kein einziges solcher Bücher im Schrank. Bisher hat das mit dem Leben auch ohne Beratung ganz gut geklappt ;-) Natürlich geht bei mir auch mal was schief. Aber das letzte Mal, dass mich das wirklich mitgenommen hat und dass ich Monate gebraucht habe, damit fertig zu werden, ist ungefähr zehn Jahre her.
    Ich habe festgestellt, dass ich, anstatt mit Dingen zu hadern, die ich sowieso nicht ändern kann, viel mehr darauf achten muss, was ICH will. Und genau das zu tun. Klingt rücksichtslos und ist es vielleicht auch manchmal. Aber es funktioniert :-) Ohne Bücher und ohne Kurse.
    Liebe Grüße
    Fran

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  7. Ich habe auch keine Ratgeber für Lebenssituationen im Bücherschrank. Außer zwei Marie Kondo Bücher über das Entrümpeln an sich. Die würde ich aber nicht unbedingt als Ratgeber, sondern eher als Empfehlungen sehen. Ich habe diese Empfehlungen aber auch nur ansatzweise umgesetzt. Konsequent war das nicht.

    Liebe Grüße

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  8. Ähnliche Gedanken-Gänge und Betrachtungen von Vergangenheit und Zukunft hatte ich in den letzten vier Wochen auch - und zwar ebenfalls seit meinem Geburtstag. Fast zeitgleich war damals auch noch ein guter ehemaliger Kollege viel zu früh verstorben, und die darauf hin einsetzende Grübelei und nachdenkliche Stimmung hat mich dann doch ziemlich verfolgt. Manchmal gibt es vielleicht einfach diese Zeiten, da muss etwas in Kopf und Seele durchgearbeitet werden. Da braucht es ggf. ein "Sich-Anpassen" an einen geänderten Blick auf das Leben, eine Neubetrachtung und ein Durchchecken, was denn vom Bisherigen noch stimmig ist und woran man vielleicht arbeiten sollte. Also, ärgere Dich nicht über vermeintlich vertane Zeit, zu irgendwas wird es schon gut gewesen sein - und sei es nur für die Erkenntnis, dass das Grübeln im Grunde gar nicht notwendig gewesen wäre ;-). Und wenn die Lektüre eines Buches einem helfen kann, sich selbst besser zu sortieren und vielleicht auch neue Blickweisen zu entdecken, warum nicht? Ich habe zwar auch keine solchen Werke im Regal, aber ich liebe grundsätzlich durchaus inspirierende Gedankenspiele und kluge Texte. Jedoch in Maßen und mit einem guten Schuss gesundem Menschenverstand.
    Liebe Grüße
    Hasi

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